Am 20. und 21. Oktober 2011 fand an der Karl-Franzens-Universität Graz die, vom Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung und dem Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte veranstaltete, Konferenz "Zwangsarbeiter in Österreich 1939-1945 und ihr Nachkriegsschicksal" statt. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einem "Runden Tisch", an dem internationale Experten über die Ziele, die Arbeit und die Ergebnisse des Österreichischen Versöhnungsfonds und über die Frage der Wiedergutmachungen an ehemalige Zwangsarbeiter diskutierten. Darüber hinaus wurde der Einsatz von ausländischen Arbeitskräften auf dem Gebiet des heutigen Österreich während des Zweiten Weltkriegs von Experten aus Österreich, Deutschland, Russland und Ungarn analysiert (siehe Programm).
Von 1939 bis 1945 wurde etwa eine Million zivile Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene, KZ-Häftlinge und Juden auf dem Gebiet des heutigen Österreichs in nahezu allen Wirtschaftszweigen der Kriegswirtschaft zur Arbeit herangezogen. Mit dem Kriegsende und der Befreiung 1945 kehrte ein Großteil von ihnen wieder in ihre Heimat zurück. Ein Teil der sowjetischen Kriegsgefangenen und „Ostarbeiter“ wurde von Sowjetorganen unter Zwang rückgeführt. Andere entschieden sich dafür, in Österreich zu bleiben oder in Drittländer wie die USA, Kanada, Großbritannien oder Australien zu emigrieren.
Die Tagung behandlet erstmals auf Basis der Akten des "Österreichischen Versöhnungsfonds" die wichtigen Fragen von Zwangsarbeitereinsatz und Repatriierung, Emigration sowie Integration in Österreich nach Kriegsende. Gleichzeitig ist die Konferenz der Abschluss der ersten Phase des wissenschaftlichen Projektes "Zwangsarbeiter in Österreich 1939-1945. Die auswertung des Aktenbestandes des Österreichischen Versöhnungsfonds".