Von 15. bis 17. Juni 2011 fand an der Universität Graz eine, vom Ludwig Boltzmann-Institut für Kriegsfolgen-Forschung und dem Institut für Wirtschafts-, Sozial- und Unternehmensgeschichte veranstaltete, internationale Konferenz statt. In diesem Rahmen wurde auch der Band "Die Ukraine zwischen Selbstbestimmung und Fremdherrschaft, 1917-22" präsentiert, in dem ein internationales Historikerteam erstmal ein neues Bild der ukrainischen Geschichte am Übergang vom Ersten Weltkrieg zur Nachkriegszeit zu zeichnen versucht. Ihre Ergebnisse wurden auf der Tagung von Experten aus Großbritannien, Deutschland, Polen, Russland, Bulgarien, Italien, Österreich und der Ukraine diskutiert (siehe Programm).
Kaum eine andere europäische Region hat zu Ende des Ersten Weltkrieges eine derart facettenreiche Geschichte wie Osteuropa. Dominiert von einer mobilen, häufig wechselnden Front während des Krieges, ethnischen Konflikten und den Auseinandersetzungen des zerfallenden Russischen Reiches zerriss es die um Unabhängigkeit kämpfenden Nationalbewegungen. Die Ukraine, einer der strategisch wichtigsten Staaten Osteuropas, bildete einen der Kristallisationspunkte dieser Ereignisse. Im Zentrum der Tagung standen die ukrainischen Unabhängigkeitsbestrebungen, die mit der Besatzung durch die Mittelmächte zwischen Februar und November 1918 eine scheinbar faktische Realisierung bekamen. Warum es der Ukraine dennoch nicht gelang, ihre Souveränität zu bewahren, diskutierten die Experten bei der Tagung aus verschiedensten Perspektiven.